Der Polenztalweg
 
Der Polenztalweg beginnt an der Post in der Stadt Neustadt in der Nähe des Bahnhofes am Tekla Park. Er ist mit einem roten Punkt auf weißen Untergrund ausgeschildert. Neustadt wurde im Jahr 1333 durch Freiberger Bergleute gegründet. Aus dieser Zeit stammen eine ganze Anzahl von Bergbauversuchen um Neustadt bis hin zum Valtenberg (587,5 m über NN mit Ghs.). Die Stadt liegt von weiteren Höhen, wie der Unger und der Götzinger Höhe (beide mit Ghs.) eingebettet in einem Tal. Der wohl bekannteste Sohn der Stadt, der auch als Entdecker der Sächsischen Schweiz benannte Pfarrer Wilhelm Leberecht Götzinger (1758-1840), hat hier in der Nähe des Pfarrhauses seine letzte Ruhestätte gefunden. Neustadt ist weiterhin bekannt durch die hier produzierte Landmaschinentechnik und neuerdings seit 1995 mit dem neu eröffneten Freizeitbad „monte mare“.
       
Der Bach entspringt aus verschiedenen Quellen im Grenzgebiet zu Böhmen und wird erst durch die aus Richtung Berthelsdorf einmündenden Lohe in der Nähe der Wilhelm-Kaulisch-Straße als „Polenz“ bezeichnet (pol = wogendes Wasser). Die Gesamtlänge bis zum Zusammenfluß mit der „Sebnitz“ beträgt 29,4 km und gemeinsam als „Lachsbach“ erreicht der Fluss die Elbe nach weiteren 4,2 km.
       
Wir begeben uns entlang des Wanderweges nun durch ein Neubaugebiet in Neustadt und erreichen schon nach. 2 km den Ort Polenz. Das Waldhufendorf zieht sich ca. 3,5 km entlang dieses Flusses und wird rechtsseitig von den Höhen des Karnbergrückens, bestehend aus Lausitzer Granit, eingebettet. In der Vergangenheit besaß der Ort drei Mühlen, wobei die letzte erst 1992 die Produktion als Mahlmühle einstellte. Im Ort selbst sind noch eine Vielzahl alter Fachwerkhäuser und Bauernhöfe vorhanden.
       
Am Ende des Ortes tritt die Polenz in ein von Siedlungen und Verkehr gemiedenes Tal ein, das es im Prinzip bis zur Vereinigung mit dem Sebnitzbach nicht mehr verlässt. Beiderseitig befindet sich noch gut erhaltene Mischwaldbestände. Mit einigem Glück kann man hier auch Muffelwild beobachten, welches in den vergangenen Jahren ausgesetzt worden ist. Besonders an den linksseitigen Berghängen hatte man versucht Bergbau zu betreiben. Vor allem wurde in den Seitenbächen „Gold gewaschen“. Hinweise über erfolgreiche Versuche sind nicht überliefert. Bis ca. 1740 wurde auf der Polenz auch Holz bis in die Elbe geflößt. Die Flößerei wurde wegen der im Bach lebenden Lachse eingestellt. Seit Mitte des 19. Jh. gilt der Lachs als ausgestorben. Der Rückgang war vor allem durch die Zunahme der Verschmutzung der Elbe hervorgerufen. 1995 hat man im mittleren Abschnitt der Polenz Lachsbrut wieder ausgesetzt, vielleicht mit Erfolg??? Vor allem die Bach- und Regenbogenforelle, der Aal und die Esche sind hier noch heimisch.
       
Wegweiser Bald haben wir die Waldmühle erreicht. Sie liegt rechts von der Polenz und war einst eine Knochenmühle und erhielt ihren heutigen Namen erst um 1930. Alle Mühlen des Polenztales sind nach ihrer zweckbestimmten Eigenschaft nicht mehr vorhanden. Sie wurden zur Beherbergung oder als Gaststätten ausgebaut bzw. sind als Bausubstanz verschwunden. Zirka eine halbe Stunde talabwärts erreichen wir wiederum auf der rechten Seite die ehemalige Walkmühle. Sie bestand seit 1841. Außer zum Walken von Leder wurde auch sie zum Zerstampfen und Mahlen von Knochen benutzt. Sie wird heute als Knochenmühle bezeichnet. Auch hier ist von dem eigentlichen Mühlenbau nichts mehr vorhanden. Das Wohnhaus war jahrelang ein Ferienheim und beherbergt heute eine kleine Gaststätte. 500 m weiter erreichen wir am linken Waldrand ebenfalls eine ehemalige Mühle mit deren Ruinenresten. Sie wurde erst 1908 als Schleifmühle gebaut.
       
Aus dem Holzschliff stellte man Backformen für Backstuben her. Das Wohnhaus wurde in der Vergangenheit ebenfalls als Ferienheim genutzt und soll auch zukünftig wieder als Pension geführt werden.
Nach wenigen Metern erreichen wir die bekannte Bockmühle. Davon ist ebenfalls nur noch das Wohnhaus erhalten. Hier befindet sich heute eine kleine Pension mit Gaststätte. Die Bockmühle liegt außerdem an der Fahrstraße Cunnersdorf - Heeselicht und ist deshalb auch gut mit dem PKW zu erreichen. Das Anwesen ist schon sehr alt. Bereits 1518 wird sie als Mahl- und Brettmühle erwähnt. Sämtliche Gebäude, außer dem Gasthaus, fallen 1926 einem Brand zum Opfer. Ein Besitzer Namens „Bock“ verhalf der Mühle zu seiner Bezeichnung.
Bockmühle
Märzenbecher

Einmalig für die Feuchtwiesen und hier besonders in der Nähe der Bockmühle, ist das größte Wildvorkommen des Märzenbechers (Leucojum vernum). Seit 1928 stehen diese Wiesen unter besonderen Schutz. Jährlich ziehen diese seltenen Pflanzen im Frühjahr tausende Besucher von nah und fern an. Weitere Pflanzen sind für dieses Tal typisch und säumen unseren Wanderweg. So zum Beispiel der Schlitzblättrige Sonnenhut, die Ährige Teufelskralle, das Geruchlose Himmelschlüssel, der Waldgeißbart oder Johanniswedel, das Große Springkraut und andere botanisch interessante Pflanzen und Farne. Unterhalb der Bockmühle kann man auch Bestände der Weißtanne feststellen.

       

Jetzt sind wir gut eine Stunde lang allein zwischen bewaldeten Granithängen und der Polenz, bevor wir die Scheibenmühle erreichen. Sie wurde wahrscheinlich erst im 19. Jh. errichtet und war bis 1926 als Holzschleiferei in Betrieb. Seitdem dient sie als Ferienheim und Pension. Früher stand hier angeblich eine Schmelzhütte eines Bergwerkes. Aus dieser Zeit stammt auch der unmittelbar bei der Scheibenmühle vorhandene Bergstollen (Hussitenstollen) mit einer Länge von 125 m. Dieser steht seit 1955 unter Denkmalschutz.

Unterhalb dieser Mühle befindet sich ein weiteres größeres Vorkommen unseres Märzenbechers, bevor wir nun die Heeselichtmühle erreichen. Sie wurde bereits 1561 erwähnt und war Brett- und Mahlmühle. Seit vielen Jahren besitzt sie Schankrecht. Hier in der Nähe befindet sich auch das „Goldflüsschen“, das in die Polenz einmündet. Der Name deutet darauf hin, dass hier ebenfalls Bergbauversuche unternommen wurden. Neben der Erzwäsche (Seifen), wurde auch in Bergstollen rege nach lohnender Ausbeute gesucht. Das Polenztal liegt hier unterhalb der Zechnigleiten, dieser Granitrücken steht schon seit vielen Jahren wegen seines naturnahen Mischwaldbestandes unter besonderen Schutz. Ab hier sind wir auch schon im Nationalpark Sächsische Schweiz, der 1991vom Freistaat Sachsen gegründet wurde.

       
Nun begeben wir uns auf den „Großdeutschlandring“, eine ehemalige Autorennstrecke, die in den 30iger Jahren als modernste Rennbahn ausgebaut werden sollte. Der 2. Weltkrieg verhinderte deren Realisierung. Nach ca. 10 min. biegen wir rechts wieder auf unseren ausgeschilderten Wanderweg ein und erreichen eine weitere ehemalige Mühle, die Russigmühle. Benannt nach einem ihrer Besitzer, wird das Erbauungsjahr erst um 1849 angegeben. In der Folgezeit war sie Mahl- und Schneidemühle, in ihr befand sich auch eine Bäckerei und besaß Schankrecht. Heute ist sie eine beliebte Ausflugsgaststätte mit Pension an dieser ehemaligen Autorennstrecke.
Rußigmühle
       
Burg Hohnstein Nach einer weiteren kurzen Wegstrecke (links oben thront die Burg Hohnstein) haben wir auch schon eine Straßenkreuzung erreicht. Links ziehen sich die Serpentinen in die Burgstadt Hohnstein. Ein Abstecher lohnt sich. Bereits nach einer halben Wegstunde stehen wir unterhalb der Burg, die zugleich größte Jugendherberge Deutschlands ist. Bemerkenswert ist auch die Kirche, die im 18.Jh. vom George Bähr wieder erbaut wurde (Bähr war auch der Baumeister der Dresdener Frauenkirche). In der Stadt wird die Tradition des „Hohnsteiner Kasper“ bewahrt. Diese Handspielpuppe wurde mit seinem Schöpfer Max Jacob international auf den Puppenspielbühnen bekannt.
       

Jährlich findet auch in Hohnstein das Puppenspielertreffen statt. Gleichfalls ist Hohnstein ein Zentrum des Klettersportes. Hier wohnt der z.Z. bekannteste sächsische Bergsportler Bernd Arnold. Wenn wir im Tal verbleiben befinden sich unmittelbar vor uns die Ruinenreste der ehemaligen Hohnsteiner Stadtmühle.

Die ersten Nachrichten darüber gehen bis in die erste Hälfte des 15. Jh. zurück. Vor unseren Augen beginnt sich jetzt hier das Gebirge zu verändern. Aus dem breiten Granittal der Polenz begeben wir uns nun in die engen Schlüchte des Sandsteins. Wir wandern auf der rechten Seite des Baches. Über uns sehen wir die Steinbrücke zum Hockstein. Dort oben befand sich eine kleine Bergwarte der Rathener Burg gegen Hohnstein im 14.Jh. Wer Interesse bekundet, kann über die Wolfsschlucht nach oben steigen. Die Aussicht ist einladend. Weitere Informationen erhalten wir auch vom Hohnsteiner Lehrpfad, den wir hier auf unseren Weg kreuzen.

Schon vom Hockstein aus sieht man die ehemalige Bärmühle oder wir erreichen sie unten im Polenztal nach wenigen Minuten. Auch sie ist seit ca. 1850 außer Betrieb und beherbergt heute als „Pension zum Polenztal“ ihre Gäste. Jetzt geht es weiter wildromantisch und vorwiegend vom Fichtenwald umgeben entlang immer dem rauschenden Fluss folgend. Vielleicht haben wir Glück und können die Wasseramsel, den Eisvogel oder die Gebirgs- bzw. Bachstelze beobachten, die in diesem Abschnitt etwas häufiger anzutreffen sind. Auch der Schlitzblättrige Sonnenhut ist hier in den lichteren Teilstücken oft am Bachrand zu finden.

       
Bald erreichen wir eine Stelle, wo vor uns aus einem Felsmassiv eine „Nadel“ hervorsteht. Wir stehen vor dem „Polenztalwächter“ dem bedeutesten Kletterfelsen in diesem Tal. Ein Stück weiter befindet sich die jetzige Pension „Waltersdorfer Mühle“. Sie gehört zweifellos zu den bekanntesten Gaststätten der Sächsischen Schweiz. Hier kreuzen auch viele Wanderwege. Die eigentliche Mühle stand ca. 2 min. entfernt flussabwärts, wo heute eine weitere Pension steht. Wann dieses Anwesen erbaut wurde, ist nicht bekannt. Auch sie stammt sicherlich aus dem 15.Jh. Das jetzige Gasthaus im Schweizer Baustil wurde um1896 errichtet
Polenztalwächter
       

Nun weitet sich das Tal. Unter den Brandwänden (auf dem Brand befindet sich eine Gaststätte und von dort hat man auch einen Panoramablick über die Sächsische Schweiz) begeben wir uns nun auf dem letzten Abschnitt unseres Weges. Bei entsprechender Ruhe und Aufmerksamkeit kann man hier in der Niederung am Bach auch den Graureiher, Mäusebussard oder sogar den seltenen Schwarzstorch beobachten. Nach einer halben Stunde Wanderzeit erreichen wir die ehemalige Frinztalmühle. Sie diente bereits 1534 als Mahlmühle zu Porschdorf und entwickelte sich später zu einem damals in der Schandauer Gegend bekannten Gasthaus mit Beherbergung. Aus der Mühle entstand später eine Fabrik und das Gästehaus wurde ab dem Jahre 1920 zu Wohnzwecken für die Betriebsangehörigen genutzt. Heute ist dieser Bereich ein Gewerbegebiet von Porschdorf. Wir haben nun nach unserer ca. 6 bis 7 stündigen „Mühlentour“ das Endziel erreicht und eines der schönsten Täler im Nationalpark Sächsischen Schweiz durchwandert. Wenige Meter hinter der Polenzstraßenbrücke vereint sich unser Fluss mit der Sebnitz zum Lachsbach. Wer den Ausgangspunkt Neustadt wieder erreichen möchte oder weiter in Richtung Bad Schandau, kann ab Haltepunkt Porschdorf den Zug benutzen. Diesen erreicht er in wenigen Minuten. Die Rückfahrt mit der Eisenbahn durch das Sebnitztal nach Neustadt birgt weitere interessante Augenblicke für den Naturfreund. Auch dieses Tal lässt sich auf einsamen Pfaden durchwandern, vielleicht am nächsten Tag?

Quellenhinweise:
Buchreihe „Werte unserer Heimat“ Band Königstein und Band Zwischen Neustadt und Stolpen
Eigene Sammlungen und Beobachtungen

Roland Füssel, Helmsdorf 1996