Der Sebnitztalweg
 

Der Sebnitzbach wird aus zwei böhmischen Quellbächen, den Wölmsdorfer- und dem Lobendauer Bach, gebildet. Der Zusammenfluß befindet sich unmittelbar in der Nähe des Grenzüberganges zur tschechischen Republik in Sebnitz. Die Gesamtlänge der Sebnitz beträgt 21,5 km und durchfließt die Stadt Sebnitz (1241 als Sebniza erstmals erwähnt), den OT Amtshainersdorf und wird außer dem kleinen OT Kohlmühle (zu Goßdorf gehörend) kaum von Ortschaften und Siedlungen berührt.
Der Sebnitzbach verbindet sich nach dem OT Kohlmühle bei Porschdorf unterhalb der Ochelwände mit dem Polenzbach und fließt hier die letzten 2,8 km bis zur Mündung in die Elbe bei Wendischfähre (1934 zu Rathmannsdorf) als "Lachsbach". Diese Bezeichnung erinnert daran, dass besonders in diesem Abschnitt einst Lachse für das Hohnsteinsche Amt gefangen wurden, die zum laichen diese Bäche aufsuchten. Mitte des 19. Jh. ging der Ertrag aufgrund der Zunahme der Verschmutzung der Gewässer, insbesondere der Elbe, stark zurück. 1933 sollen die letzten Lachse in der Elbe gefangen wurden sein.

Im Sommer 1992 konnte ich oberhalb der "Waltersdorfer Mühle" in der Polenz wieder einen Aal beobachten.

Der markierte Wanderweg (roter Punkt auf weißem Untergrund) beginnt in der Nähe des Schillerplatzes in Sebnitz. Den ersten Teil entlang des Baches verläuft er teilweise an der Autostraße Sebnitz - Hohnstein. Besonders im April fällt die in Blüte stehende rote Pestwurz (Petasites hybridus) im und nach dem OT Amtshainersdorf an den Uferrändern den Wanderer in das Blickfeld.
Beim Kilometer 5 unseres Weges, biegt man links nach einer Straßenbrücke, in das angrenzende Waldgebiet ein. Hier beginnt der romantische Teil des Sebnitztalweges, der erst 1936 in diesen oberen Abschnitt bis zur Buttermilchmühle durch den damaligen Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz fertiggestellt wurde. Auch gegenwärtig betreuen ihn die Naturfreunde aus Sebnitz.
Nach kurzer Zeit verlassen wir wieder den Mischwald und wandern rechter Hand durch Wiesen und Felder den Ort Ulbersdorf entgegen. Am Ortsrand geht es links der Fahrstraße dem Ulbersdorfer Bahnhof entgegen. Neben einigen Mühlen in der Stadt Sebnitz, gelangen wir hier kurz vor dem Bahnhof zur Ulbersdorfer Mühle, erstmals 1446 erwähnt und war zuletzt als Brettmühle bzw. Sägewerk im Betrieb. Gut sichtbar sind noch die Reste des alten Wasserrades.

Ab jetzt begleitet uns neben dem Sebnitzbach auch eine Eisenbahntrasse. Seit 1877 besteht diese Bahnverbindung zwischen Bad Schandau und Sebnitz in diesem wild-romantischen Tal, führt in diesem Abschnitt durch 7 Tunnels mit unterschiedlichen Längen (längste das Mühlhorntunnel bei Porschdorf mit 377 m) und überquert neben einer Vielzahl von Brücken, in Sebnitz auch 2 Viadukte. Sie überwindet dabei einen beträchtlichen Höhenunterschied und ist in einer sehr kurzen Zeit von 3 Jahren, vorwiegend durch Italiener, erbaut wurden. Im Volksmund wird sie auch liebevoll als "Sächsische Brenner- bzw. Semmerringbahn" bezeichnet. Eine Bahnfahrt ist jeden Besucher dieses Gebietes und der Sächsischen Schweiz zu empfehlen.

Und weiter geht es dem Sebnitztal entlang, der als eines der schönsten Wanderwege beschrieben wird. Der Mischwald auf den Granithängen verleiht dem Tal, auch besonders im Herbst einen besonderen Reiz. In diesem Gebiet bis zur Buttermilchmühle bzw. Kohlmühle sind weite Wiesen mit Quell- und Feuchtgebieten und eine noch gut erhaltene Pflanzenwelt vorhanden.
Bald erreichen wir vom Bahnhof Ulbersdorf aus gesehen, das zweite Tunnel der oben beschriebenen Bahnlinie. Der Heimatforscher Prof. A. Meiche beschrieb, dass auf dem Tunnel das sogenannte "Raschgärtners Raubschloß" oder "Altes Schloß" gestanden hat. Halsgraben und Reste eines Turmfundaments deuteten auf eine ehemalige Befestigung. Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen.

Weiter talwärts nach ungefähr 12 km, befindet sich ca. 200 m vor dem Haltepunkt Mittelndorf, die Reste der ehemaligen Spuhtmühle. Hier stellte man vorwiegend Bierdeckel aus Pappe her, die man angeblich bis in die USA exportierte. Diese Fabrik ist 1937 abgebrannt. Um 1970 wurde der letzte Teil dieses ehemaligen Anwesen, das noch als Wohnhaus diente, gesprengt.
Sputhmühle
 
Silberblatt

Im Mittelalter schnitten mehrere Querwege den Abschnitt zwischen Kohlmühle und der Ulbersdorfer Mühle. Sie waren vor allem die Verbindungen zu den Schlössern Hohnstein, Schwarzberg und Wildenstein des böhmischen Geschlechts der Berken (Birken) von der Duba. Sie beherrschten bis weit in das 14. Jh. dieses Gebiet. Der als Flächennaturdenkmal ausgewiesene "Krauschegraben" unterhalb Mittelndorf im Sebnitztal zeigt ein reiches Vorkommen von Mondviole oder Silberblatt, eine Charakterpflanze unseres Bergwaldes, die ebenfalls wie das gesamte Gebiet, unter Naturschutz steht. Hier in der Nähe des Haltepunktes Mittelndorf überquerte der "Verlehnweg" durch eine Furt den Sebnitzbach.

Als wesentlichen Zufluß der Sebnitz, erreichen wir bald den Schwarzbach, der rechtsseitig in der Nähe der ehemaligen Buttermilchmühle einmündet.

 

Geheimnisvoll und mit Sagen bedacht liegt am Ausgang dieses Schwarzbachtales (beim km 14) eine alte verfallene Burg auf einen Bergsporn. Schwarzberg, Schwarzburg oder auch als Goßdorfer Raubschloß bezeichnet.

Heute als Flächennaturdenkmal ausgewiesen. In ihrer Nähe führten verschiedene Wege vorbei u.a. von Schandau nach Neustadt. 1372 erstmals erwähnt und wahrscheinlich noch einiges älter, ihre Besitzer waren die Berken von der Duba. Man nimmt an, dass dieses
Schloß bei der Erbteilung der Berken als Sohn Heinrich 1410 Schloß Wildenstein zugesprochen bekam, verfiel. 1451 wird dieses Schloß bereits nicht mehr genannt. Zu beachten ist, dass dieses Bauwerk schon massiv errichtet war, wobei viele andere Burgen und Schlösser im Gebiet der Sächsischen Schweiz nur Holzbauten aufwiesen.

Raubschloss
Im Februar 1475 hausten hier ca. 60 berittene Raubgesellen aus Böhmen in der Ruine. Der Besitzer des Ritterguts Ulbersdorf ließ um 1858 die noch heute sichtbaren künstlichen Ruinenteile auf wahrscheinlich alten Grundmauern errichten.
Gegenüber dem Raubschloß liegt der Nasenberg, auf dessen Bergrücken im Mittelalter eine kleine Bergwarte stand. Entdeckt wurde sie erst in unserer Zeit (sichtbarer Halsgraben).
In einer Sage wird uns mitgeteilt, dass "hier am Raubschloß um Mitternacht gespenstig der Burgherr Kunibert und den von ihm ermordeten alten Juden und dessen Tochter, die beide als schwarzer Ziegenbock und als Hahn ....." umherwandeln sollen. Vorher kann man sich "im Goldloch", einen alten Bergstollen, in Gruselstimmung bringen lassen. Der Stollen liegt unmittelbar bei der ehemaligen Buttermilchmühle und wurde vor dem Siebenjährigen Krieg gemutet, in der Hoffnung Kupferkies zu finden. Gerade entlang der Lausitzer Überschiebung gibt es eine Vielzahl von Bergbauversuchen und man kann diese Zeit bis in das 19. Jh. in der Sächsischen Schweiz verfolgen. Besonders August der Starke ließ im 17. Jh. nichts unversucht, auch durch solche Unternehmen seine Staatskasse aufzubessern. Zum Wohlstand hat es keinen gereicht und das Interesse erlosch mit der Zeit.
Der Schwarzberg ist botanisch sehr interessant. Hier blüht unter anderen das Leberblümchen. Der Pfarrer Wilhelm Lebrecht Götzinger(1758-1818) als einer der bedeutesten Erschließer dieses Gebiets, führte unter anderen Pflanzen an, die in der Nähe des Schwarzbergs zu finden sind:

- echtes Lungenkraut
- die Zahnwurz
- die Lichtnelke
- Platterbse
- Waldlabkraut
- Christophskraut
- weiße Schwalbenwurz
- und die pfirsichblättrige Glockenblume.

Diese Pflanzen gehören fast alle noch zum heutigen Bestand. Weiterhin sind im Sebnitztal das Buschwindröschen, der rote Fingerhut, die Königskerze und verschiedene Farnarten hier heimisch. In der Sebnitz haben statt des Lachses, jetzt die Forelle und Esche ihr Domizil. Die Amsel, Bach- und Gebirgsstelze, Buchfink, Meisen, Zaunkönig, Buntspecht, Drossel, verschiedene Grasmückenarten und Kleiber sind die häufigsten anzutreffenden Vögel. Seltener die Wasseramsel (häufiger im Polenztal). Oftmals ist auch der Graureiher in der Nähe. Eingeweihte Naturfreunde sprechen auch vom Schwarzstorch, der seit einigen Jahren wieder im Raum Sebnitz- , Schwarzbach und Polenztal bei viel Glück zu sehen ist. Das Rot- und Schwarzwild weist relativ hohe Bestände auf.

Der berühmteste Anziehungspunkt für die Sommergäste und Urlauber war zweifellos die Buttermilchmühle am Fuße des Schwarzberges, die 1985 aufgrund eines Blitzschlages abbrannte. Seit langen besaß sie Schankrecht. 1823 erstmals erwähnt, oder ist sie im Zusammenhang mit dem Raubschloß noch viel älter? Eine eindeutige Klärung des Namens der Mühle gibt es nicht. Laut Meiche ist anzunehmen, dass man sie entweder nach dem auf den Wiesen blühenden "Butterblumen" (Hahnenfuß) oder weil angeblich den Arbeitsleuten bei der Heuernte Buttermilch verabreicht wurde, benannt. Zuletzt fungierte sie als Ferienheim. Auch Götzinger fühlte sich in der Nähe dieser Umgebung sehr eingenommen und schrieb, "dass hier noch saftige Wiesen und die Wälder noch grünen wie immer, von den Berghängen leuchtet die goldene Glut der Besenginster und die Gewässer des Sebnitz- und des Schwarzbaches rauschen die alten, heimlichen Lieder".

Anstelle der Buttermilchmühle steht seit 1993 in ihrer Nähe jetzt eine Schutzhütte für Wanderer.

Weiter geht unser Weg, der von Kohlmühle kommend und seit 1926 besteht. Zur anfangs beschriebene Bahnlinie, mündete hier beim Schwarzberg auch eine ehemalige Schmalspurbahn ein. 1897 - 1951 dampfte eine Kleinbahn von Hohnstein durch das Schwarzbach- und Sebnitztal nach Kohlmühle. Noch heute sind einige Brücken und die zweiTunnel sichtbar.


An der Wanderwegkreuzung 200 m nach der ehemaligen Buttermilchmühle in Richtung Altendorf befindet sich oberhalb des Sebnitztales ein alter Granitsteinbruch. Hier sind noch deutliche Spuren dieses Handwerkes und die Stelle der Pulverkammer sichtbar.

Die Wanderroute verläuft jetzt teilweise auf gleicher Höhe wie die Gleisanlagen der Bahnlinie Bad Schandau - Sebnitz. Rechts zum Granithang sind noch andeutungsweise die Reste des Mühlgrabens der alten Kohlmühle erhalten. Nach kurzer Wanderzeit erreichen wir auch den gleichnamigen Ort. Bis zur Kohlmühle führte schon von Porschdorf aus im 18. Jh. ein relativ gut befahrbarer Weg.

1582 hat schon am Kohlichtgraben eine Mahlmühle gestanden. Sie wurde 1756 durch einen Wolkenbruch weggespült. 1757 begann man deren Neubau, aber im Sebnitztal. Mit Beginn des Tourismus um die Wende des 18. Jh. war sie eine beliebte Ausflugsstätte, vor allem der Schandauer Badegäste. Später entstand hier eine Holzstoff-Fabrik. Die Mühle brannte 1916 bis auf das Wohnhaus ab. Der Ursprung des Namens Kohlmühle lässt sich nicht nachvollziehen. Man nimmt an, dass er nach einem Kohlmeiler, der hier eventuell existiert hat, oder nach einem der ersten Besitzer mit Namen Kohl benannt wurde.

Überhaupt nicht in das Bild passt hier das große Fabrikgebäude des Linoleumwerkes. Diese entstand 1902/03 aus einer Filiale der Sebnitzer Papierfabrik.

Der Sebnitzbach durchfließt auf seinen Weg zwei Talformen, die flach geneigten Hänge im Granitgestein bis hier in der Nähe von Kohlmühle und der schluchtartigen Canon mit den steilen Ochelwänden (Ochel; altsorbisch=Weißfisch) im Sandstein unterhalb des Ortes bis zur Lachsbachmündung. Diese geologische Trennung bezeichnet man als Lausitzer Störung bzw. Überschiebung. Dabei wurde das ältere Granitgestein auf den Sandstein aufgeschoben. Dieser Vorgang war am Ende der Kreidezeit abgeschlossen.

Ab Kohlmühle wandern wir nun die letzten 2 km bis zum Zusammenfluß der Sebnitz mit dem Polenzbach bei Porschdorf immer der Fahrstraße

entlang. Links begleitet uns die Eisenbahnlinie. Nach einer Bahnbrücke in diesem von Wäldern und Sandstein umgebenen Talkessel treffen wir bald auf die Ochelmühle und erreichen schließlich den Haltepunkt Porschdorf. Dieser hat in den letzten Wochen einen neuen farblichen Anstrich erhalten.

Hier möchte ich die "Touristische Information" durch das Sebnitztal abschließen und hoffe, dass jeder Besucher die entsprechende Entspannung und Erholung findet. Vom Haltepunkt Porschdorf aus lässt sich innerhalb kurzer Zeit per Eisenbahn der Ausgangsort erreichen. Von Sebnitz bis Porschdorf mit Abstecher auf den Schwarzberg sind ca. 4 1/2 Stunden Wanderzeit einzuplanen.


Quellenhinweise:

Götzinger: "Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz", Dresden 1812

A. Meiche: "Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der Sächsischen Schweiz", Dresden 1907

A. Meiche: "Ein Mühlenbuch", Dresden 1927 (Jahrbuch des Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz"

A. Meiche: "Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna", Dresden 1927

Eigene Sammlungen und Beobachtungen.

Roland Füssel 1993